Über den Bezirk Ludza
Diese schöne, an Seen und Wäldern reiche Region im Osten Lettlands wurde bereits im 1. Jahrtausend v. Chr. von den baltischen Latgalen als Siedlungsgebiet gewählt. Davon zeugen 14 Siedlungen, mehr als 25 Burgberge und etwa 70 Grabhügel. Zwischen dem Kleinen und dem Großen Ludza-See, am Ende eines langen Hügelrückens, erhob sich eine hölzerne Burg der Latgalen zum Schutz der Regionsgrenzen. Um sie herum begann eine lebhafte und wohlhabende Kleinstadt zu wachsen, die nach der Königstochter Lūcija den Namen Ludza erhielt.
Der Name Ludza wurde erstmals 1177 in der Kiewer Hypatius-Chronik schriftlich erwähnt, in der die Geburt und Taufe des Sohnes des Fürsten Rjurik in Ludza verzeichnet ist. Als Lettgallen 1777 an Russland angeschlossen wurde, wurde Ludza zum Kreiszentrum und entwickelte sich bald zu einem bedeutenden Handelszentrum – zur zweitgrößten Stadt Lettgallens nach Daugavpils. Zur Zeit des freien lettischen Staates war Ludza eine wirtschaftlich und sozial aktive Kleinstadt mit 238 Unternehmen, 356 Handelsgeschäften, einer schönen katholischen Holzkirche, einem Krankenhaus, einem Gymnasium, einem Bahnhof und einem Museum. Doch durch den Brand von 1938 und die Kriegsjahre ging nahezu die gesamte hölzerne Altstadt samt der strategisch bedeutendsten Gebäude verloren. Ludza befand sich stets an einem wichtigen Kreuzungspunkt der Handelswege zwischen Europa und dem weiten Russland – dieser Umstand bestimmte das Schicksal des Landes und seiner Menschen. Russen, Schweden, Polen und Deutsche versuchten, es in ihren Besitz zu bringen. Im Laufe der Jahrhunderte siedelten sich hier auch Esten, russische Altgläubige, Weißrussen, Ukrainer und Juden an. Heute prägen das Stadtbild und die Zukunft die Wechselwirkungen an der Kreuzung bedeutender Wege und Ereignisse – Alltag und Traditionen, Kultur und Kunst. Seit 2004 ist Ludza eine Grenzstadt der Europäischen Union und eine Brücke zwischen Europa und Russland. Die Partnerstädte von Ludza befinden sich in Deutschland, Italien, Russland, Weißrussland, Litauen, Estland, Georgien und der Ukraine.
Foto: A. Lebeds